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Geschichte

Die ersten Anfänge der heutigen Stadtwerke Reichenbach/Vogtl. GmbH reichen bis in das Jahr 1859 zurück. Am 22. Januar kam es im Rathaussaal zur Gründung des "Gasbeleuchtungs-Actienvereins zu Reichenbach". Man hatte sich damals die Erzeugung von Beleuchtungsgas, den Aufbau der Straßenbeleuchtung in der Stadt Reichenbach sowie den Verkauf des Gases und dessen Nebenprodukte zum Ziel gestellt. Das für die Errichtung des Gaswerks nötige Grundkapital von 50.000 Talern bestand aus 1.000 Aktien zu je 50 Talern. Die Stadt beteiligte sich daran mit 300 Aktien und bekam die Möglichkeit, sämtliche Aktien aufzukaufen, um wieder in den vollständigen Besitz des Gaswerks zu gelangen.

Diese Gelegenheit nahm die Stadt Reichenbach in den folgenden Jahren wahr, so daß das Gaswerk 1907 in die städtische Verwaltung übernommen wurde. Dieser Umstand ermöglichte eine eigene Stromversorgung, da bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich der Gasbeleuchtungs-Aktienverein die Berechtigung hatte, die Stadt Reichenbach mit "Licht und Kraft" zu versorgen.

In einer Sitzung am 23. Juli 1908 setzten sich der Stadtrat und der damalige Oberbürgermeister Dr. Polster das Ziel, ein eigenes Elektrizitätswerk zu errichten. Nach knapp einjähriger Bauzeit, am 15. Juni 1909, versorgte man bereits die ersten Privatanlagen mit Strom.

Das Versorgungsgebiet umfaßte 1934, nach mehrmaliger Erweiterung, ein Areal von ca. 300 km2 mit rund 138.000 Einwohnern. Gemeinden der "Amtshauptmannschaften" Plauen und Auerbach gehörten ebenso dazu wie die von Zwickau und Greiz. Die Konzessionsverträge mit den einzelnen Dörfern wurden in der Regel über eine Dauer von 45 Jahren abgeschlossen. Doch zur vollständigen Erfüllung dieser Verträge kam es nicht, da nach Ende des II. Weltkrieges die Zuordnung des Gas- und Eltwerkes zum VEB Energiekombinat Karl-Marx-Stadt erfolgte, welcher dann die ausschließliche Versorgung mit Strom und Gas übernahm.

 

 

Dr. Wilhelm Polster, Oberbürgermeister von Reichenbach (1907 - 1926)
Dr. Wilhelm Polster, Oberbürgermeister von Reichenbach (1907 - 1926)
früheres Elektrizitätswerk Reichenbach
früheres Elektrizitätswerk Reichenbach

 

 

Daran änderte sich bis zur politischen Wende 1989/90 nichts, bis die Energieversorgung Südsachsen AG gegründet wurde. Im Anschluss daran löste sich aus der EVS AG am 1. Juli 1991 die Erdgas Südsachsen GmbH heraus, welche die Gasversorgung übernahm sowie die Umstellung des gesamten Versorgungsgebietes von Stadt- auf Erdgas vollzog.

Die Umwandlung der damaligen Abt. Wärmeversorgung des VEB Gebäudewirtschaft in die Wärmeversorgung Reichenbach/Vogtl. GmbH erfolgte ebenfalls 1991. Die Hauptaufgabe des damaligen Unternehmens beschränkte sich bis 1994 hauptsächlich auf die Fernwärmeversorgung des Neubaugebietes, der Deutschen Bahn sowie einiger anderer Kunden. Die schrittweise Umstellung der  Fernwärmeerzeugung 1992 von Kohle auf Erdöl wurde im April 1994 komplett vollzogen und fand mit der Sprengung des nunmehr überflüssigen Kohleschornsteins Ende des Jahres seinen "krönenden" Abschluß.

Als im November 1995 die Anbindung des Heizwerks an die Erdgasleitung erfolgte, war nun endlich die Möglichkeit geschaffen, die Fernwärmeerzeugung mit Erdgas vorzunehmen. Dieser umweltschonende Energieträger wird bis zum heutigen Tag genutzt.

Nachdem sich die Abgeordneten der Stadt nach der Wende mehrheitlich für die Gründung der Stadtwerke ausgesprochen hatten, war der erste Grundstein für eine kommunale Versorgung mit Strom und Gas gelegt.

Die Umwandlung in die Stadtwerke Reichenbach/Vogtl. GmbH erfolgte dann im Juli 1993, wobei die Stadt Reichenbach selbst eine Beteiligung von 100 % hielt. Gleichzeitig liefen die Bemühungen der Stadt, der Geschäftsleitung der Stadtwerke wie auch der späteren Gesellschafter, Thüga und Energieversorgung Südsachsen AG (EVS), die Genehmigungen des Sächsischen Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit für eine eigene Strom- und Gasversorgung zu erhalten, auf Hochtouren.

Im April bzw. August 1994 war es dann endlich soweit, die Zustimmung wurde erteilt und die Arbeiten zur Entflechtung der nun zur Stadt Reichenbach gehörigen Strom- und Gasnetze konnten beginnen. Als Übergabetermin und Versorgungsbeginn wurde der 01.01.1995 festgelegt. Zum gleichen Zeitpunkt gestaltete sich auch das Beteiligungsverhältnis neu, so dass die Stadt nun über einen Anteil von 51 % verfügt und die weiteren Gesellschafter, Thüga und EVS (seit dem 7.7.02 envia - Mitteldeutsche Energie AG), eine Beteiligung von je 24,5 % innehaben. Ebenfalls zum 01.01.1995 übernahmen die Stadtwerke die kaufmännische Betriebsführung. Ein Jahr später kam die komplette Verbrauchsabrechnung der Tarifkunden dazu. Für die Kunden bedeutete das einen großen Vorteil, da sie sich seitdem direkt an das Kundenbüro in ihrer Stadt (am Roßplatz) wenden können.

Die technische Betriebsführung unterlag bis 31.03.1997 noch der Energieversorgung Südsachsen AG und der Erdgas Südsachsen GmbH. Seitens der Stadt Reichenbach und der Geschäftsleitung der Stadtwerke wurde angestrebt, auch die technische Betriebsführung der Netze selbst durchzuführen. So konnte zum 01.04.1997 die Betreuung des Gasnetzes durch das eigene Unternehmen übernommen werden. Im Bereich der Stromversorgung konnte diese ab dem 1.07.1998 erfolgen. Die dadurch mögliche Koordinierung der gesamten Bautätigkeit (Gas, Strom, Wasser, Abwasser, Straßenbeleuchtung) erspart der Stadt und den Versorgungsträgern Zeit und unnötige Kosten.

Heute haben sich die Stadtwerke in Reichenbach zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt, der gemeinsam mit der Stadt und dem Vogtlandkreis das Ansehen der Region angemessen vertritt.